










Hühner in der Margarete-Wehling-Stiftung
Im Sommer 2007 zogen die Integrativen Wohngruppen der Margarete-Wehling-Stiftung in den ländlich gelegenen Stadtteil Bielefeld -Babenhausen um. Bereits in der Planungsphase entstand von Kindern und Mitarbeitern der Wunsch in der neuen Einrichtung auch Tiere zu halten. Da keine Tiere in den Wohnräumen gehalten werden konnten, lag es nahe, über landwirtschaftliche Nutztiere nachzudenken.
Unter Anleitung einer Pädagogin wurde gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen überlegt, welche Tiere bei uns leben könnten:
Hühner!?
So entstand die "Hühnergruppe", die sich regelmäßig traf um sich über Haltung und Pflege der Tiere schlau zu machen. Fragen wie:
Was für eine Behausung brauchen Hühner?
Werden Hühner zahm?
Welche Haltungsformen gibt es?
Kann man auch mit ihnen Kuscheln?
Welche natürlichen Feinde haben Hühner?
Wie aufwendig ist die Versorgung und Pflege der Tiere?
In den folgenden Wochen wurde klar, dass Hühner relativ einfach zu halten sind und ihre Pflege unter Anleitung von den Kinder und Jugendlichen übernommen werden kann.
Nach längerer Recherche und Besuchen bei Hühnerzüchtern entschied sich die Gruppe für die Haltung von
Seidenhühnern. Seidenhühner werden oftmals auch von Menschen gemocht, die eigentlich keine Hühner oder sonstiges
Federvieh mögen.
Sie eignen sich aus vielen Gründen für den pädagogischen und therapeutischen Einsatz. Sie werden schnell zahm,
fliegen nicht, scharren aufgrund ihrer Anatomie nicht so extrem wie andere Hühner und sie bringen den wichtigen "Kuschel-
und Schmusefaktor" mit.
Auf der Suche nach dem geeigneten Hühnerhaus, lernte die Gruppe Ralf Müller kennen, dessen Steckenpferd die Hühnerzucht ist und der eine Mobile Villa als Behausung für die Tiere entwickelt hat und auch vertreibt. Nach sorgfältigen Überlegungen der "Hühnergruppe" wurde die Mobile Villa im Schweden-Stil, die Platz für eine 5- köpfige, tierische Wohngruppe bot, ausgewählt und im Juli 08 bezogen.
Allein bis zu diesem Zeitpunkt war die Auseinandersetzung mit der Haltung der Tiere von großem Wert für die pädagogische Arbeit. Die Kinder setzten sich in Gesprächen mit dem Thema auseinander und hatten dann aber auch die Möglichkeit im Kontakt mit Anderen (Züchtern, Landwirten, Herrn Müller) ihr theoretisches Wissen zu überprüfen.
Der Wert der Seidenhühner für die alltägliche pädagogische Arbeit ist hoch. Über die Auseinandersetzung mit der täglich anfallenden Arbeit, im Bezug auf die Versorgung der Tiere, entsteht zeitgleich eine Auseinandersetzung mit dem Lebewesen Huhn. Die Versorgung der Tiere fordert und fördert die einzelnen Kinder/Jugendlichen auf mehreren Ebenen.
Neben der Koordinationsfähigkeit, motorischen Fähig- und Fertigkeiten, werden soziale Kompetenzen trainiert. Eingebettet in den individuellen Hilfeplan einzelner Kinder und Jugendlicher können bestimmte Teilaspekte gezielt trainiert werden. Die Stärkung der Ich- Kompetenz, der sozialen Kompetenz hat hier einen hohen Stellenwert. Langfristig soll es Kindern und Jugendlichen, bei entsprechendem Interesse auch möglich gemacht werden, mit "ihren" Tieren an Geflügelzuchtschauen oder sonstigen Veranstaltungen im ländlichen Wohnumfeld teilzunehmen.
Die Tatsache, dass Hühner ihre Aufmerksamkeit nicht unbedingt nur an ausgesuchte Personen richten, kommt einer Haltung dieser Tiere in einer Wohngruppe sehr zugute. Alle Kinder und Jugendlichen, die sich nach Absprache und unter Anleitung der pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit der Versorgung der Tiere beschäftigen, werden mit der Zutraulichkeit der Tiere belohnt. Das bewusste Übernehmen von Verantwortung ist ein wichtiger Schritt im Bezug auf Sozialkompetenz, die wiederum ein wesentlicher Bestandteil und ein Lernziel in unserer Pädagogik ist.
Der Einsatz der Tiere, in diesem Fall der Hühner, ist somit fester Bestandteil der pädagogisch Arbeit der Integrativen Wohngruppen der Margarete-Wehling-Stiftung.
Lesen Sie auch den Artikel Mobile Villa fürs glückliche Federvieh.
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